Die Märkte, also wir freien Bürger, üben Druck auf die Euro-Mitgliedsstaaten aus, ihre Staatshaushalte zu sanieren. Dies wird von den europäischen Staats- und Regierungschefs als hinderlich empfunden. Sie wehren sich dagegen. Unsere Regierungen wollen nicht hinnehmen, dass wir freie Bürger sie durch unser freies Handeln auf dem Finanzmarkt dazu bringen, ihre Haushalte zu sanieren. Das können die Staats- und Regierungschefs nicht dulden. Sie bezeichnen unser Handeln als Spekulation von verantwortungslosen, geldgierigen Menschen: Währungsspekulation, die unterbunden werden muss. Es geht hier nicht um die Freiheit der freien Bürger Europas, sondern um die Unbegrenztheit der Handlungsmöglichkeiten von Regierungen. Die Begrenzung des Staates durch funktionale Arbeits- und Gewaltenteilung soll aufgehoben werden. Denn Freiheit der Bürger ist Begrenzung für die Regierungen. Deshalb muss man dem Bürger einreden, dass seine Freiheit moralisch falsch sei, so dass die europäischen Staats- und Regierungschefs dem Bürger seine Freiheit nehmen können. Dass sie damit Europa genau das rauben, was Europa ausmacht, dass sie Europas Seele rauben und einen Hort von Recht und Freiheit zerstören, spielt keine Rolle.
POSITIONEN: Mehr Freiheit ist weniger Staat - Meinung - Tagesspiegel