Eine Verfassung der Freiheit wird heute in Deutschland wie in Europa nicht von der herrschenden Klasse angestrebt. Vielmehr arbeiten organisierte Interessen auf das Gegenteil hin: Zentralismus, gesetzliche Steuerung der Gesellschaft durch Experten und infolgedessen eine umfassende Regelung des Daseins ihrer Bürger in nahezu allen Lebensbereichen – von der Wiege bis zur Bahre. Allein das Streben nach einer Verfassung der Freiheit gilt vielen als Rückfall in Zeiten eines Nachtwächterstaates. Misstrauisch wird der Freiheitsgebrauch des Einzelnen beäugt, soll doch der Staat Objektivität und Vernunft verkörpern und daher auch für das Gemeinwohl zuständig sein. Die sichtbare, aktive Hand des Staates erhält den Vorzug vor der unsichtbaren Hand, dem Symbol für die Selbstorganisation der Interessen einer unüberschaubaren Vielzahl von Menschen. Dies gilt ungeachtet der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, das als Jahrhundert der größten Staatsausdehnung auch die größten Schrecken über die Menschheit gebracht hat.
Wer strebt nach einer Verfassung der Freiheit?